It’s Tanzania III

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Hühner in kleinen Käfigen zusammengefercht, Rinder Tier an Tier auf Lastwagen gesperrt, Hunde und Affen mit Steinen abgeworfen. So begegnen Menschen den Tieren. Der Umgang mit Tieren in der Öffentlichkeit (ich rede nicht von Massentierhaltung) gestaltet sich ganz anders als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Auf Busfahrten sieht man oft große Lastwagen mit circa zwanzig Kühen geladen vorbeifahren. Wenn einem Affen (beim Essenklauen), Hunde oder Katzen zu nahe kommen werden Steinen genommen und auf die Tiere gezielt geschossen. Am Eingang zum Markt stehen Käfige, die für Hühner vorbehalten sind. Auf engstem Raum verbringen sie dort den ganzen Tag bis sie abgeholt werden. Die Käufer schnallen die Vögel auf ihre Motorräder oder fassen sie an den Flügeln und tragen sie nach Hause. Manchmal sind sie auch für eine achtstündige Busfahrt in eine Tüte gepresst. Ziegen schnallt man gelegentlich auf die Dächer der Busse.

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Die Religion ist ein wichtiges Thema unter Tansaniern. Beim Small-Talk kommt oft die Frage auf welcher Religion man angehört und in welche Kirche man geht. Jede Antwort ist gut, außer diese, keine Religion zu haben. Wenn man einen schönen Tag hatte oder einfach nur nach einem langen Begrüßungs hin- und her auseinander geht kommt oft der Satz: Wir danken Gott (Tunamshukuru mungu) oder ‚Gott beschützt dich/uns‘ oder ‚wenn Gott es wünscht, dann sehen wir uns wieder‘ (We shall meet, if god wishs.) oder etwas wie ‚Ich schwöre bei Gott‘ (Hakia mungu).

 

Das Nein-Sagen wird in vielen Fällen verschönigt. ‚Gibst du mir ein neues Heft?‘ – ‚Vielleicht morgen.‘; ‚Kannst du mich besuchen kommen?‘ – ‚Morgen.‘ ‚Verkaufen Sie heute Juice?‘ – ‚Heute gibt’s keinen, komm morgen wieder.‘ Bekommt man diese Antworten auf kann man davon ausgehen, dass es das Gefragte nicht gibt, auch morgen nicht.

Als ich von meiner Reise wiederkam haben mich mindestens zehn Bekannte gefragt was ich ihnen mitgebracht hätte, oder wo denn ihr Geschenk sei. Kommt ein Familienvater von einer Reise zurück nach Hause, bringt er Fisch für den Cousin, Stoff für die Mutter und Weintrauben für die Nachbarn mit. Wenn man in einer anderen Region ist, dann werden auch oft Spezialitäten von dort mitgebracht. Kagera (das Land rund um Bukoba) ist für seine Bananen bekannt. Wer also von hier abreist und zur Familie fährt bringt dieses Obst mit. Am Ortsausgangsschild von Bukoba steht: „Bring uns ein Geschenk mit nach Hause, kein Aids.“

Tansanische Frauen tragen sehr gern Kitenge (bunte Stoffe). Man kann sie überall kaufen. Entweder lassen sie sich aus ihnen ein Kleid oder Rock schneidern oder sie tragen sie während der Hausarbeit, dem Einkaufen um die Hüften oder als Tragetuch für kleine Kinder auf dem Rücken.

 

 

Im Bus, in der Bank, auf dem Markt, beim Verkaufen, am Straßenrand, überall Stillen Mütter ihr Kinder in der Öffentlichkeit.

Wer sich ein Busticket kauft muss zuerst in ein Booking Office. Dort sucht man sich einen Sitzplatz aus und bekommt Reiseinformationen. Dann wird das Ticket per Hand geschrieben, Automaten gibt es nicht. Im Bus muss man den Zettel rund zwei mal zeigen, denn die Reisebegleiter müssen alle Namen auf einen weiteren Zettel schreiben, den sie eventuell der Verkehrskontrolle vorlegen müssen.

 

Mit dem Bus lassen sich auch Bananen, Dokumente, Schuhe usw. verschicken. Man liefert sie in einem Booking Office ab und der Empfänger holt sie am Zielort ab.

Abfahrtszeiten gibt es hier nur morgens um sechs Uhr wenn in ganz Tansania die Langstreckenbusse losfahren. Alle weiteren Fahrzeuge warten bis sie voll sind und fahren auch erst dann los, wenn es sich für sie lohnt. So kann man schon mal zwei Stunden am Busbahnhof verbringen und seine Zeit versäumen. Meiner Meinung nach wird hier viel zu viel Zeit durch unnötige Diskussionen, Zuspätkommen, unklare Bürokratie und nicht gerechtfertigtes Warten vergeudet.

Die Biersorten sind touristenfreundlich nach den großen Sehenswürdigkeiten des Landes benannt. Man kann Kilimanjaro trinken, Safari oder Serengeti.  Außerdem Savanne, schmeckt ähnlich wie Cidre. Es gibt einen Likör der Zanzi heißt und gerne auf Zanzibar verkauft wird.

 

Fast jeder Shop bietet M-Pesa an. (Pesa = Geld, M = Mobile) Ich kann von Bukoba aus 50.000 Tansanische Shilling (ca. 20 Euro) an einen Freund in Daressalam schicken. Dazu gebe ich das Geld im Shop ab und reiche die Nummer des Empfängers ein. Dieser  empfängt eine Mitteilung und geht ebenfalls in einen beliebigen Laden in seiner Stadt, um sich das Geld abzuholen.

 

Um telefonieren und Internet nutzen zu können muss man sich Voucher kaufen. An jeder Straßenecke stehen kleine wacklige Tische aufegbaut, wo diese verkauft werden. Außerdem gibt es von jedem Netzwerkanbieter (Halotel, Airtel, Tigo) Mitarbeiter die durch die Straßen laufen und die Voucher verkaufen. Sie tragen eine Weste mit dem Logo ihres Arbeitgebers und sind nicht zu übersehen.

Begrüßungen vollstrecken sich lieber mit Handschlag als einer Umarmung. Wen ich mal in live treffe werde ich den tansanischen Handschlag zeigen. (Es ist nicht schwer, aber zu schwer zu beschreiben.)

Aus alten Gummireifen für Autos schneiden Männer an einer Straßenecke in Bukoba Flip-Flops in jeder Größe. Man kann auch seinen Fuß abmessen lassen und die Schuhe extra anfertigen lassen.

 

Mit der Hand essen kann hier jeder. Es gibt da nämlich eine kleine Technik. Man formt die Hand zu einer Schaufel und benutzt die vier längeren Finger als Löffel. Der Daumen formt das Essen gleichzeitig, wird aber nicht mit in den Mund genommen. Je nach Belieben essen auch bei der Mama wo ich immer essen gehe die Mitarbeiter der staatlichen Büros, aber auch die Verkäufer auf dem Markt mit der Hand. Wem es lieber ist mit Besteck zu essen dem wird statt Messer und Gabel, wie wir es aus Deutschland kennen, ein Löffel gereicht.

 

Die Mimik und Gestik spielt hier auch eine wichtige Rolle. Am Anfang habe ich das Heranwinken oft mit normalem grüßendem Winken verwechselt. Wenn jedoch jemand die vier Finger (alle außer Daumen) der Hand von oben auf die Handinnenfläche runterzieht (am besten mehrmals hintereinander), ohne die Hand nach rechts und links zu drehen, wie wir normales Winken kennen, möchte er oder sie, dass du zu ihm oder ihr kommst. Mich haben oft Pikifahrer so anlocken wollen oder aber auch verschiedene Leute die unter vier Augen mit mir reden wollten. Ich benutze es selbst bei Schülern in der Schule oder Freunden.

 

Erst heute Nachmittag drehte sich ein Pikifahrer zu mir um, hielt Blickkontakt und bewegte den Kopf nach von, um zu fragen, ob ich mit ihm fahren wolle. Meine Antwort bestand aus einem einfachen Hochziehen der Augenbrauen. Und schon startete der Mann den Motor und kam mir entgegen. So haben wir uns ohne ein Wort zu sprechen unterhalten.

An Flüssen, am Malawisee, am Victoriasee, in allen Gewässern wird gewaschen. Das Waschen übernehmen die Frauen. Wenn die Shirts und Hemden fertig sind werden sie zum Trocknen aufgehängt oder ins Gras gelegt. Auch zum Kochen gehen die Frauen hinaus. In den Häusern gibt es meistens keine Küche, aber eine kleine Hütte nebenan, die als Küche genutzt wird. Darin ist es immer viel zu stickig und rauchverhangen. Aber das Essen schmeckt danach sehr gut.

 

Liebe Grüße!

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