Bonanza & Maruku Beach – Kagera Region II

P1000652
Der Babu bei seinem Team

Man nehme einen Kleinbus und setze den Babu mit fünfundzwanzig Volley- bzw. Netballspieler hinein. Heraus komme gute Stimmung und ein erfolgreiches Wochenende.

Damit ich mich nicht, wie jedes mal, ärgere, dass ich viel früher (pünktlich!) als alle anderen Spieler am vereinbarten Treffpunkt bin, bummelte ich den ganzen Morgen und hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, als ich statt um elf zwei Stunden später auf die wartende Gruppe traf. Alle begrüssten mich freundlich, so richtig schien es keinem aufzufallen, dass es schon ein Uhr ist. Der Bus war ja auch noch nicht da. Immerhin ging der Babu zehn Minuten nach meiner Ankunft los, um das Transportmittel abzuholen.

In dem Gedrängel der Netballspielerinnen und Volleyballspieler konnte ich einen sehr guten Platz ergattern. Während einige stehen oder auf dem Boden sitzen mussten, blendete mich auf dem Fensterplatz nur die Sonne. Nach dem starken Regen am Morgen, wie es in diesen Tagen der Regenzeit regelmässig der Fall ist, war mir die Wärme ganz recht.

Mit lautem Gekreische, „Ohhyooo“- Rufen und guter Laune verließen wir Bukoba. Auf der sechsstündigen Fahrt konnte ich einmal mehr die tolle Landschaft der Kagera Region bestaunen. Abwechselnd befanden wir uns im Tal oder auf einem Bergkamm. Überall sprühten die grünen Bäume, Sträucher und Blumen. Hier und da ließen sich ein paar Affen am Straßenrand blicken. Im Gespräch mit Assan, der hinter Aline und mir saß fanden wir heraus, dass Ruandaer und Burundis in bestimmte Teile Tansanias kommen, um ihre Rinder weiden zu lassen, aber auch Busse und Autos zu überfallen. Dies resultiert aus den anhaltenden Unruhen und unsicheren Lebensbedingungen in Teilen der beiden Länder. Waffen gebe es in Ruanda und Burundi schon für umgerechnet einen Euro. In dem Reservat, welches wir passierten, stehen regelmäßig Polizisten, um die Kontrolle zu behalten. Nachts soll man das Gebiet nicht mehr befahren, da es zu der Zeit am gefährlichsten ist. Aber auch die verschiedenen Ansichten in Hinblick auf die Rolle der Frau, sowie Gleichberechtigung diskutierten wir. So überwand ich die 6-stündige Fahrtzeit. Wir stoppten in Ngara. Ein Ort am Dreiländereck Tansania, Burundi, Uganda. In der Unterkunft schliefen wir zu dritt in einem Doppelbett. Die Männer schliefen in einem anderen Hostel. Das Zimmer war sehr groß, hatte einen Fernsehr, jedoch kein fließendes Wasser. Am späten Abend brachten uns drei fröhliche sportliche Frauen Reis mit Bohnen und Fleisch.

Am späten Morgen, nach dem Regen, genossen wir Chai (heißt Frühstueck und Tee). Es gab Toast, Ei und frische Milch. Gemütlich schlenderten wir zum Sportplatz neben unserer Unterkunft, wo sich schon eine ansehnliche Masse an Menschen angesammelt hatte. Kurze Zeit später begann die Eröffnungsfeier der Bonanza (Sportfest). Jedes Team aus den sechs unterschiedlichen Orten durfte einmal laut schreien und sich somit vorstellen. Neben Volleyball und Netball spielten auch die Fußballteams aus Ngara, Biralamulu, Kigoma und Burundi. Bukoba war ohne Fußballer angereist.

Nach einem Spiel zwischen Kigoma und Ngara (für alle Interessierten: Kigoma gewann) durften unsere Männer aufs Spielfeld. Zwar wurden auch wir Frauen gefragt, jedoch stellten wir ziemlich schnell fest, dass es die richtige Entscheidung war auf einen Einsatz zu verzichten. Die Bälle wurden sauber gesettet, hart geschmettert, abgeblockt und trickreich hinter dem Zweimannblock versenkt. Um den erst am Morgen mit weißem Sand markierten Spielfeldlinien sammlten sich viele Zuschauer an, Mitspieler, Tainer, Kinder und zufällig vorbeikommende Bewohner Ngaras.

Am späten Nachmittag lenkte man uns zwei Straßen von dem Sportplatz entfernt in ein großes Gelände, wo es für jeden Sportler Essen gab. Voller Freude schnell loszufahren und möglichst früh wieder in Bukoba anzukommen setzen sich Aline, Till und ich schon in den Bus. So langsam trödelten immer mehr Mitspieler ein. So langsam machte sich das Gerücht breit, dass wir erst am nächsten Morgen wegfahren könnten, da es schon zu spät sei und man nicht mehr vor dem Nachtfahrverbot in die Stadt kam. So langsam verlor auch ich den Glauben an eine Weiterfahrt und gesellte mich schnell unter die (überwiegend jungen) Leute, die sich freuten, denn es stellte sich heraus, dass das große Gelände vor dem unser Bus parkte ein Nachtclub ist. Statt also für eine Nacht ein Guesthouse zu bezahlen hieß es nun eine Nacht durchfeiern. Für die einen mag es ja nach einem Traum klingen, aber so leicht war es nicht die zwölf Stunden zu überstehen.

Am frühen Abend führten uns Said und Richard zu einer anderen Bar. Im dunkeln ging es nach eins, zwei Getränken zurück. Mittlerweile kam auf der Bühne Leben auf. Mehrere Tanzgruppen (14- bis 17-jährige Jungs) zeigten ihre Choreografien zu aktueller tansanischer Musik. In jeder Ecke entdeckte ich jemanden aus dem Volleyballteam. Alle mussten sich irgendwie beschäftigen – die einen tranken, die anderen ließen sich Schweinefleisch liefern und andere versuchten im Bus (der auf dem Clubgelände parkte) Schlaf zu bekommen. Sobald Aline und ich angefangen hatten zu tanzen drängelten sich mehrer Männer um uns. Ein wenig sind wir diese Aufmerksamkeit schon aus Bukoba gewohnt, aber nicht in diesem Maße. Als wir auf die andere Seite der Tanzfläche gehen wollten, wurde Aline an der Hand gezogen, musste sich erst losreißen. Außerdem ging der Plan in die Hose, denn einige ganz anhängliche Tänzer kam hinterher und ließen nicht los. So verkrochen wir uns auf die Ränge in der zweiten Etage des großen Gebäudes, von wo aus man die Tanzfläche beobachten konnte.

In Tansania ist es normal, dass Mann und Frau eng miteinander tanzen. Der Partner kann dabei oft gewechselt werden. Als ich Ignas einige Tage später erklärte, dass diese Art zu tanzen für uns ungewohnt ist und schon andeutet, dass man in einer Beziehung ist bzw. sich wenigstens sehr gut kennt, lachte er nur und meinte: „Oh that’s crazy. For us it’s normal, we like it.“

Nach einem Mitternachtssnack (Chipsi mayai) und dem Ende der Disko fuhr der Bus voller müder Sportler zurück nach Bukoba (BK).

 

 

Am Abend des Ostersamstag schlüpften Aline, Hannah, Johanna und ich in unsere besten Kleider aus Kitenge. In der großen Kathedrale von Bukoba fand eine Osternacht statt. Schon am Eingang konnte man sich Kerzen kaufen. Außerdem brannte ein kleines Feuer vor dem Eingang des beeindruckenden Gebäudes.

Bevor die Türen aufgemacht wurden sammelten sich schon die ersten Gäste an. Jeder trug Anzug oder Kleid mit hohen Schuhen. Immer wieder erkannten wir jemanden, grüßten hier und da, schwatzen kurz. Der Bischof zog gemeinsam mit dem Chor ein. Zu dem Zeitpunkt wurde jede Kerze angezündet. Wer am Mittelgang saß bekam das Feuer von den Sängern des Chors übertragen. Der Weg setzte sich von Nachbar zu Nachbar fort, bis die ganze Kirche hell erschien. Leider hielt dieses wunderschöne Licht nur dreißig Sekunden. Denn dann wurden Scheinwerfer angeschaltet, die Romantik erlosch.

Nach zweieinhalb Stunden ohne Kollektegang nach vorne, ohne Abendmahl, also ohne das etwas passierte entschieden wir uns die Kirche zu verlassen. Auf dem Nachhauseweg kamen mir verschiedene Chöre von anderen Kirchen auf der Straße entgegen. Sie trugen dieselben Kleider und Kerzen in der Hand und zauberten eine schöne Atmosphäre.

Den Ostersonntag nutze ich um mit Aline, Hannah und Johanna zum nahe gelegenen Maruku Beach zu fahren.  Eine vierzig-minütige Pikifahrt brachte uns zu dem großen Strandabschnitt. Mit lauter tansanischer Musik wurden wir willkommen. Wir trafen Freunde mit denen wir plauderten und den Nachmittag genossen. Am Abend sollte eine Party stattfinden, an der ich nicht teilnehmen konnte, da meine Freundin Alina am selben Abend in Bukoba ankam.

Beste Grüße!

Esther.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s