Am Tanganyikasee

IMG_4725

Die angeblich schlimmste Straße Tansanias habe ich hinter mir gelassen, neben einem der wenigen Bahnhöfe des Landes geschlafen und im tiefsten See Afrikas gebadet.

Der Lake Tanganyika. Bei all meinen Blicken auf die Karte Tansanias konnte der See nicht übersehen werden. Da der Norden (Mwanza, Arusha, Lake Natron) und Osten (Daressalam, Sansibar) schon besucht wurden, dreht sich ab jetzt alles um West- und Südtansania. Eine Woche wollte ich mir in den zweiwöchigen Osterferien Zeit nehmen, um mit meinen Freundinnen Alina und Aline nach Kigoma zu fahren.

Nachdem wir im starken Regen um 5.30 zum Bus fuhren, klebten die Sachen nur so an der Haut. So mussten wir im Bus gleich Hose und Shirt wechseln und uns in ein warmes Masai-Tuch einwickeln. Mit Schokolade (aus Deutschland) und Kuchen (Rest vom Geburtstag einer Freundin, isst man sonst nicht so oft) aßen wir uns das Wetter schön. Wärmer und sonniger wurde es tatsächlich. Nur die Straße ließ den Bus desto länger wir fuhren stärker und öfter wackeln. Einen kaputten, auf der linken Spur stehen gebliebenen Bus umkurvte unser Fahrer elegant, bevor wir, wieder auf geteerter Straße angekommen, das Wasser zwischen verschiedenen Palmenpflanzen erblickten.

Auf der langgezogenen Hauptstraße erledigten wir Geldumtausch, Halotelprobleme (Halotel ist ein Handynetzanbieter) und Fragen zu den umliegenden Nationalparks. Das fettige Mittagessen (Reis, Bohnen und Fleisch(-soße)) ließen wir uns bei einer Mama ein paar Schritte von der Straße entfernt schmecken. Dabei konnten wir eine Frau beobachten, die ein großes weißes Tuch mit verschieden farbigen Fäden bestickt, sodass das gesamte Tuch nach einigen Tagen symmetrisch und bunt aufgehangen und verkauft wird. Diese Tücher sind neben der Seifen- und Palmölproduktion ganz typisch für Kigoma. Noch nie habe ich sie davor in meinen 8 Monaten in Tansania gesehen.

 Der große Markt (Sokoku) befindet sich von unserem Guesthouse angefangen auf der anderen Seite der Stadt. Wir Mädchen interessierten uns am meisten für die vielen bunten Stoffe. So gingen wir von Shop zu Shop und übersprangen alle Stände, die kein Kitenge oder Kanga anzubieten hatten. Frische Energie lieferten Bananen, eine Ananas und eine Kokosnuss. So konnten wir uns gestärkt auf den Rückweg machen, dabei ein ziemlich leckeres Milcheis in einem Eisladen (der erste den ich in dem Land sehe) zu uns nehmen (diese Erfrischung findet man sonst nur in Supermärkten). Unser Reiseführer leitete uns zum Strand, wo das Volleyballteam, welches ich vor zwei Wochen erst in Ngara getroffen hatte, trainierte. Viele junge Männer saßen um das Spielfeld verteilt, guckten und diskutierten laut mit, wenn es um Schiedsrichterentscheidungen ging. Durch das Eingangstor neben dem Feld schreiteten wir dem Wasser und ein paar Holztischen entgegen. Die Bar wurde von lauter tansanischer Musik beschallt. Zwei Frauen brachten uns sofort Plastikstühle, da alle anderen Plätze schon belegt waren. Bei einer kalten Soda genoßen wir den Sonnenuntergang in der kleinen Bucht, die von grünen Bergen umgeben ist. Kigoma ist ähnlich wie Bukoba in der Innenstadt flach, jedoch nach außen hin von Hügeln umrundet. Als das Tageslicht ganz verschwand, drehte die Musik lauter auf und die vorwiegend jungen Gäste tanzten unter dem Sternenhimmel zu ihrer Lieblingsmusik. Zu dieser zu tanzen ist für jemanden, der frisch aus Europa kommt (wie Alina) sehr gewöhnungsbedürftig. Aline und ich dagegen kannten die Tanzstile schon und fanden das Twerken der Frauen und die oft abgehakten Bewegungen ganz normal. Auf die Frage, warum an diesem Dienstag gefeiert wurde, gab uns der Veranstalter zu wissen, dass es sich um eine Osternachfeier handle.

Gleich neben unserem Guesthouse steht der Bahnhof Kigomas. Hier endet die Central Line des Zuges. Die Bahnhöfe und Gleise stammen noch aus der Kolonialzeit. Neben einer Rundbahn in Daressalam und unbenutzten, wild bewachsenen Schienen in Mwanza sind diese Zuggleise einige der wenigen, die man zu sehen bekommt. Gerade als wir am späten Nachmittag ankamen, sammelten sich eine Menge Reisender an, die am Abend um zwanzig Uhr abfahren wollten. Ein Junge fragte uns, ob wir auch mitfahren würden. Leider mussten wir verneinen, allerdings ist es mein Wunsch einmal mit dem Zug in Tansania zu fahren. Der Schüler fuhr nach Morongoro, was zwei Tage dauern würde und damit länger als eine Busfahrt (ein Tag), aber kostengünstiger sei.

Am Ufer des Tangayikasees darf ein Besuch in einem Fischerdorf nicht fehlen. Nach Kibirizi schlenderten wir zwei Kilometer von Kigoma aus auf die andere Seite der Bucht. So befanden wir uns auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens von Kigoma. Eine schmale Straße, von der Lage vergleichbar wie eine Strandpromenade, führte uns an einer Menge Shops vorbei. Ohne Unterbrechung reiht sich einer an den anderen.

Statt Supermärkten und großen Shops wie beispielsweise in Deutschland, kennzeichnet Tansania (und wahrscheinlich auch weitere afrikanischen Länder) die vielen kleinen Shops, von denen es eine große Anzahl gibt. Jeder zweite Ladenbesitzer verkauft Seife, Soda, Voucha fürs Handy, Zahnpasta und Mehl. Auf dem Markt in Bukoba zähle ich zehn Schuhshops, zwanzig Schneider, die auch Stoffe anbieten, ebenso viele Second-Hand-Kleidungsverkäufer und nicht weniger Neuwareverkäufer (Kleidung zB. Schulhemden, Shirts, Gürtel, Caps, Hosen). Überall an den Straßen stehen diese Shops. Jeder möchte Business machen, einen eigenen Laden haben. Gäbe es Supermärkte, dann hätten die vielen Verkäufer keine Arbeit mehr, sie würden, wenn nicht gerade Arbeitsplätze geschaffen werden, zu höherer Arbeitslosigkeit führen.

Verlässt man den Hauptweg in Richtung See, erkennt man hinter den vielen am Hafen arbeitenden Menschen den Port Kigomas auf der anderen Seite der Bucht. Hier in Kibirizi werden frisch gefangene Fische entladen, Waren auf Boote gehoben und Schiffe reperiert. Drei Dutzend Frauen und Männer betreten ein Passagierschiff. Weil uns der Trubel zu viel ist, versuchen wir in einem Hinterhof Ruhe zu suchen. Auf Holzbänken sitzen ca. vierzig Männer, die Kaffee trinken oder spielen, oder einfach nur nichts tun. So ganz passen wir in die Szene nicht rein. Trotzdem wird uns das Getränk angeboten.

Ujiji ist bekannt für sein Livingstone Museum. Dieses haben wir nicht besucht. Dafür schlenderten wir auf der Pflastersteinstraße zum Strand, wo wir sofort zur Attraktion des Tages wurden. Die im Wasser badenden Kinder kamen an Land, um uns anzugucken und zu berühren. Auch ältere Leute rückten näher, sprachen mit uns, wollten unsere Handynummern. Einer der jüngeren Männer machte Fotos mit Blitz von uns. Dazu stellte er sich mal vor, neben, hinter uns. Nach ein paar Schritten verfolgte uns die ganze Traube, wir entschieden zu gehen.

Am Hafen Kigomas machten wir die MV Liemba aus. Für eine Besichtigung des Schiffes, welches noch aus der Kolonialzeit unter den Deutschen stammt, stellte sich einer der Fahrer zur Verfügung. Mit ihm betraten wir die drei Stockwerke des Fahrzeugs. Zwei mal im Monat legt die Liemba ab und erreicht Häfen in Burundi, der Demokratischen Republik Kongo und Sambia, sowie Häfen auf der tansanischen Seite des Tanganyikasees.  Bis zu sechshundert Passagiere können in der ersten (Zweibettzimmer, oben), zweiten(Vierbettzimmer unten) oder dritten Klasse (nur Sitzplätze) unterkommen. Neben dem großen Lenkrad befindet sich ein riesiger in die Jahre gekommender Kompass. Nach über achzig Jahren sorgt er für die Orientierung auf dem tiefsten See Afrikas (zweittiefster See der Welt).

Immer wieder haben uns Menschen in dieser Woche freundlich „Bonjour“ zugerufen. Da im Nachbarland Kongo Französisch gesprochen wird, verbinden viele Leute mit unserer Hautfarbe die Sprache, die in der Kolonialzeit von den Franzosen mitgebracht wurde.

Auf der Rückreise stoppten wir in dem Dorf Kibondo. Der Bus hatte eine Panne und wurde fahrunfähig. So warteten alle Passagiere acht Stunden lang auf ein Ersatzfahrzeug, welches aus Bukoba kommen musste. Einige Schulkinder, die nach den Osterferien auf dem Weg zurück in die Schule waren, spielten Karten, andere besuchten die Stadt oder kauften günstig Obst ein. Auch wir aßen eine Menge Bananen und wurden zu einer Soda eingeladen. Als der Bus kam konnte er nur noch vier Stunden fahren, da es dann zwölf Uhr schlug. In der Nacht ist das Busfahren in Tasnania untersagt. So mussten wir die Nacht auf einem Busbahnhof verbringen. Zum Abendessen gab es noch Mandazi (frittierte Teigbällchen) und Chai (Tee). Leider war der Bus so unbequem und eng, dass man nicht auf den Sitzen schlafen konnte. So hielten Holzbänke und Tische, die auf dem fast menschenleeren Bahnhof herumstanden, hin. Mit vielen Pullovern und Tüchern war die Kälte aushaltbar. Und am frühen Morgen verließen wir den Schlafplatz und erreichten Bukoba.

Liebe Grüße,

eure Esther.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s