It’s Tanzania

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„Paul!“ – „Nam!“

„Esther!“ – „Abe!“

‚Antworte dem der dich ruft.‘ lautet ein Sprichwort aus Tansania. Wenn man als Mann/Junge seinen Namen hört, sagt man „Nam“. Frauen reagieren mit „Abe!“. Begrüßungen sind in Tansania das A und O. Bevor man zum eigentlichen Anliegen in einem Gespräch kommt wird eine Art Frage-Antwort-Spiel an den Anfang gesetzt. Unterbindet man dieses gilt man als unhöflich. Es könnte so aussehen: Karibu! Asante. Shikamoo! Maharaba. Mambo vipi? Poa. Habari ya siko? Nzuri. Kwema? Kwema. Mzima? Mzima. Uko poa? Niko poa. Asante.

Dabei ist es wichtig darauf zu achten wer vor einem steht. Ältere Menschen genießen ein hohes Ansehen und erfahren viel Respekt der jüngeren. So nennt man den ältesten der Familie ‚Babu‘. Diese Person ist das Oberhaupt im Haus. Dagegen werden Kinder mit ‚Dogo‘ (Kleine/r) angesprochen. Je nachdem wie der Altersdurchnitt ist kann ein 6-jähriger ein Dogo sein (,den ein 19-jähriger ruft) oder aber ein 19-jähriger (,den ein 35-jähriger anspricht). Statt dem Namen ruft man nur diesen allgemeinen Spitznamen, um den Kleinen/die Kleine zum Ballholen, Einkaufen oder anderen ungeliebten Tätigkeiten zu verdonnern. Ganze 44% der Einwohner Tansanias sind unter fünfzehn Jahre alt. Sehr alte Menschen(60 aufwärts) trifft man also nicht oft, weshalb man ihnen dann respektvoll gegenübertritt.

Betritt man ein Haus wird ‚Hodie‘ gerufen. Auch da wo bei uns das Klopfen üblich ist, sagt man ‚Hodie‘ (zB. in Büroräumen). Der Gastgeber erlaubt dann das Betreten mit ‚Karibu‘ (Willkommen). Nachmittags kommen oft ein paar Kinder aus der Nachbarschaft an unsere Tür, rufen ‚Hodie‘, woraufhin einer von uns den Eintritt erlaubt.
Nicht unüblich sind händchenhaltende Jungen und Männer in der Stadt. Dies zeigt hier lediglich die Freundschaft zwischen den Beteiligten. Meine Mitfreiwilligen üben schon fleißig um sich dem Straßenbild bestens anzupassen.

Statt Messer, Gabel und Löffel stehen auf jedem Tisch in den Restaurants und kleinen Shops Zahnstocher. Sie haben sich auch mir schon als sehr hilfreich erwiesen. Manche Leute kauen den ganzen Tag auf einem dieser kleinen Sticks rum. Auch beim Volleyball gibt es einen Spieler der jeden Tag während des ganzen Spiels einen Zahnstocher im Mund hat, bis jetzt ist noch nichts passiert… Die gegräuselten Haare der Tansanier dienen als Zahnstocherhalter, sie stecken ihn einfach zwischen den kleinen grausigen Löckchen fest und wenn er dann am Tag mal gebraucht wird hat man das Holzstück gleich parat.

Wer hier lebt verbraucht auch eine Menge Müll. Die meisten Einkäufe werden in Plastiktüten verpackt. Da es auch keine Mülltrennung gibt, stopfen wir alles in einen Karton, welcher dann in einem Müllloch vor unserem Haus verbrannt wird.

Ob gut gefedert, breit, mit Schirm, pink oder gepunktet, einen Kinderwagen findet man hier nicht. Die Babys liegen/sitzen auf dem Rücken der Mamas. Sie werden mit einem Tuch(Kitenge) festgeschnallt.

Schon einige Male in die Irre geführt hat uns das Zucken mit den Augenbrauen als Antwort auf eine Frage. Zuerst kam es mir unhöflich vor, da ich dieses Verhalten nicht gewohnt war, aber das ist eine ganz normale Möglichkeit der Antwort. Nun, nach einiger Zeit, bemerke ich selbst wie ich mir diesen Ausdruck angeeignet habe und gelegentlich nutze.

‚Unaitwa nani?‘ hört man öfter von den Tansaniern. Wenn ich dann antworte: ‚Ninaitwa Esther Maria…‘ fragen sie mich ganz erstaunt: Heißt dein Papa Maria? Denn hier werden die Kinder mit dem zweiten Namen nach ihrem Vater benannt.

Unser Lieblingsreataurant hier in Bukoba ist ‚Mama Aisha‘. Der Mutter von Aisha gehört dieser Shop. Denn statt die Mamas mit ihrem Namen anzusprechen, kann man sie Mama + den Namen des erstgeborenen Kindes nennen.

Einen lieben Gruß an Mama Bryam, Mama Peer, Mama Yanneck und Mama Jakob!!!
Esthi.

P.S.: Das Beitragsbild steht auch dafuer, dass es sich nur um Erfahrungen aus meiner Sicht handelt. In 8 Monaten habe ich sicherlich noch nicht die komplette tansanische Kultur kennengelernt.

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