Die Stadt der 7 Hügel – Kampala


0,25 , 1/4 , 25% , ein Viertel , robo moja – Zeit zum Ausreisen! 

Genau drei Monate nach meiner Ankunft am Flughafen in Entebbe bin ich nun wieder in Uganda. Diesmal geht es bis zur Hauptstadt Kampala. Dort durfte ich im August meine erste Nacht in Ostafrika verbringen. Statt in einem Guesthouse zu wohnen schliefen wir, Lukas, Valentin, Paul und ich, im Haus von Freunden, die hier ein Jahr lang leben.

Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang hinter nebelbehangenden Feldern am Morgen in Tansania, durfte ich in einem der Taxis (so groß wie ein VW-Bus) in der Innenstadt von Kampala eine erschreckende Erfahrung machen. Im Auto sagte man mir ich könne vorne sitzen, währen die Jungs hinten Platz genommen hatten. Ein Mann hinter mir versuchte die Beifahrertür neben der ich saß zuzumachen. Mit einer Hand half ich, es klappte aber nicht. Der Mann links neben mir lehnte sich aufdringlich weit über mich rüber um zu ‚helfen‘. Dabei benutzte er nur eine Hand. Mit der anderen, die unter seiner Jacke nicht zu sehen war griff er an meine Tasche die auf meinem Schoß lag. Dabei forderten mich beide Männer auf doch beide Hände zu benutzen. Das klang schon faul. Außerdem dachte ich mir die ganze Zeit, dass es hier nun wirklich niemanden interessiert, ob eine Autotür zu ist oder leicht offen. So hob ich die Jacke des Mannes neben mir vom Schoß und fand meine Tasche mit geöffnetem Reisverschluss vor. Ich fragte den Mann ob er was genommen hatte und durchsuchte meine Tasche, um zu sehen, dass alles da war. Er hob die Hände und schüttelte die Jacke aus. Plötzlich sollten wir dann alle aussteigen und mussten nicht bezahlen, was diesen Raubversuch bestätigte. Den Jungs erzählte ich erst jetzt davon, weil sie es im Bus hinten sitzend nichts mitbekommen hatten.

Wir liefen mit unserem in Kampala wohnenden Freund Malte bis zum Old Bus Stop, an Massen von Menschen und hunderten kleinen mit bunten blinkenden Waren ausgestatteten Läden vorbei, wo es einfach alles gibt, Ohrringe, Schreibwaren, Shirts, Uhren, Rucksäcke, Socken… Um eine Straße zu überqueren braucht man ewig, da diese verstopft von Taxis und Motorrädern ist. Der Bus Stop ist voll von den Kleinbussen. Sie stehen Seitenspiegel an Seitenspiegel nebeneinader und Motorhaube an Kofferraumtür hintereinander. Nachdem wir uns an fünfzehn Autos vorbeigeschlängelt hatten, stiegen wir in eines, dass in unsere Richtung fuhr.

Malte, ein ASC-Freiwilliger, der in Kampala wohnt, nahm uns zu seinem Projekt mit. Statt lauten Schreien flogen schon am Zaun Hände in die Luft, die sich wild hin- und herdrehten. Im Gelände angekommen begrüßten uns die Schüler indem sie die Händ einmal zur Stirn führten und sich an unsere Arme hangen. Es stellte sich schnell heraus, dass die ugandische Gebärdensprache anders und sehr viel komplexer ist, als die tansanische, welche Lukas und Valentin beherrschen. Am Abend bietet die Schule einen Kurs zum Erlernen der Sprache an. Wir gesellten uns dazu, lernten ein paar Zeichen, die zu 80% aus der Bibel bekannt sind.

Nur ein kurzer Gehweg bringt uns zum Bahai Temple. Schon von weitem kann man die Grünfläche um das Gebäude herum ausmachen. Der Tempel steht auf einem Berg, sodass die Parkanlage mit dem schönen Kampala-Blick zum Verweilen einlädt. Innen sorgt nur die Kuppel, aus schönen bunten Fenstern gestaltet, für Aufregung. Aber immerhin kann man von hier die vielen kleinen Hügel der Stadt erkennen.

Mit dem Kleinbus, der statt Bussen und Straßenbahnen wie in Deutschland kurze Strecken innerhalb einer Stadt zurücklegt, fahren wir durch den dichten Verkehr (stockender Verkehr im Kreisverkehr, Stau auf der Einfahrtsstraße nach Downtown). An den ganzen Privatautos und Taxis drängeln sich Pikis vorbei. Auch unser Driver schwengt plötzlich von der besfestigten Straße nach links rüber und fährt auf dem Sand an anderen Fahrzeugen vorbei. Möchte man raus ruft man dem Conductor, der Mann der die ganze Zeit aus dem Fenster schreit um neue Gäste zu gewinnen, der die Tür auf- und zuschiebt und der das Geld einsammelt, zu: Stop,want to go out. (Die Verständigung ist durch den Gebrauch der englischen Sprache viel leichter als in Tansania.) Sitzt man auf der letzten Bank müssen die vorne besetzten Plätze kurz verlassen werden, damit man aus dem Bus aussteigen kann. In Tansania heißen diese Busse Dalas. Allerdings benutze ich diese nicht täglich, da Bukoba zu klein ist und die vorhandenen Autos nur Ziele außerhalb der Stadt anfahren. Pikis sind üblicher. Aber in Kampala braucht man eine Menge der Kleinbusse um die Menschen von A nach B zu bringen. B ist bei uns heute der Orino-Market, ein riesiger Markt voller Second-Hand Kleidung, Schuhen, Lebensmitteln. Die Stände quillen von zu vielen Shirts, Hosen, Unterwäsche und Handtüchern über. Es ist laut, viele Menschen sind unterwegs, es sind Verkäufer und Kunden, Arbeiter, die große schwere Säcke mit Schuhen oder anderer Ware zu den Ständen schleppen, und Kinder oder weitere Familienmitglieder, die an den Ständen, gebaut aus Holz und überdacht mit Wellblech, ihren Tag verbringen. Wir schlendern durch die Stadt, die sehr viel stressiger ist als Bukoba. Überall wird etwas verkauft. Frauen laufen mit großen Tellern, voll mit gestapelten Mangos, Tomaten, Äpfeln, Passion Fruits, Bananen, auf dem Kopf umher. Männer bieten Socken, Ladekabel, Ugandafahnen, Spiegel, Uhren und Brillen an. Immerwieder hören wir wie uns Menschen ‚Eyy, Trump, Trump‘ hinterherrufen. Sie verbinden uns mit Amerika und den Wahlen die vor kurzem stattgefunden haben. 

Von der National Mosque of Uganda haben wir schon gehört, also stand diese auf dem Zu-Besichtigen-Plan. Zuerst musste ich mir, als weibliche Person, ein Tuch über meine Hosen binden und einen Chimar anlegen. Unser persönlicher Guide führte uns durch die männlichen und weiblichen Gebetsbereiche. Ausgestattet mit Türen aus kenianischem Holz und bunten Glasfenstern aus Italien beeindruckte mich das Gebäude von innen noch mehr als von außen. Doch mein Highlight war das Besteigen der eng geschlängelten Treppen zum Minarett der Moschee. Oben angekommen genoßen wir den Blick über Kampala. Die Moschee liegt im Zentrum der Stadt, weshalb auf allen Seiten Straßen, wie ein Stern angeordnet, zu uns führten. Ich sah auf Dächern parkende Autos, auf der Straße herumspaziernde Ziegen, das Autochaos an allen Ecken und natürlich die sieben Hügel (,die eigentlich mehr als sieben sind.) 


Nach dem Besuch gingen wir schnell bei der Bank vorbei und mussten ein Taxi finden, welches in Richtung des Fußballstadions fährt. Denn dort fand das WM-Qualifikationsspiel Uganda – Kongo statt. Zwar hatten wir nach einer sechzig-minütigen Fahrt im stockenden Verkehr und mit auf Pikis sitzenden Fans, gekleidet mit Uganda-Shirts, Tröten und bunten Haaren, keine Karten, jedoch half uns die ugandische Polizei, indem sie zwei von uns (für einen roten Schein) auf dem Polizeiauto zur Tankstelle fuhr, wo man Tickets erwerben konnte. Das Stdion war gefüllt, aber nicht voll besetzt. Die Menschen feierten die ganze Zeit und schrieenvor Freude, wenn ein Ball gehalten wurde. Leider verpassten wir das einzige am Anfang geschoßene Tor. Man sitzt auf Betontreppen. Die ganze Zeit laufen Verkäufer umher, um Popcorn, Kaugummi und Getränke abzugeben. Auch der Außenbereich war gefüllt mit Essenständen (Rolex, Hähnchenspieße) und auf Rollschuhen fahrenden Gruppen von 7,8 jungen Männern, die mit ihrem einheitlichen Shirts Werbung für Handyanbieter machten. Mit dem Sieg in der Tasche verließen wir das Stadion mit dem Taxi mit zwei Männern die außen an den Kofferraumtüren klemmten und ohne Pause tröteten. Mit einem libanesischen Mahl plus Eis versüßten wir uns den Tag. Später testeten wir zwei Nachtclubs aus.

Drei Tage später darf ich nun wieder Einreise, die gleiche Strecke fahren, dem bekannten Conducter mein Ticket überreichen, dieselbe Musik wie vor drei Monaten hören, den Visumsprozess überstehen und glücklich, diesmal ohne große Aufregung, im dunklen in Bukoba ankommen.

Bis bald, Esther.

P.S.: Vielen Dank an Lukas für die Bilder. Nach der Taschendiebaktion habe ich meine Kamera und mein Handy zu Hause gelassen.

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