Besuch an der Mugeza Viziwi

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14 Kinderaugen gucken mich an, die Hände kreisen wild in der Luft, die schmalen Körper strahlen Aufregung und Freude aus, es fühlt sich an, als würde man umjubelt werden, aber es ist kein Laut zu hören.

Ich befinde mich etwas außerhalb von Bukoba. Eine 20-minütige Pikifahrt (Motorrad) über zum Ende immer holpriger werdender Pisten, die einen Berg hinaufführen, sodass man über Downtown und den angrenzenden Victoriasee schauen kann, leiten mich zur Mugeza Viziwi. Diese Schule kümmert sich speziell um taube Kinder. Alle Mitschüler weisen eine Behinderung dieser Art auf, womit die Gebärdensprache zum einzigen möglichen Verständigungsmittel wird.

 

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Meine WG-Mitbewohner Lukas und Valentin arbeiten für das nächste Jahr in dieser Bildungseinrichtung, die aus Schule und Internat besteht. Heute, am Sonntag ist Freizeit, die immer zum Sport machen genutzt wird, sodass eigentlich nur vom Sporttag geredet (in Gebärdensprache) wird.

Sofort gesellen sich die Jungen und Mädchen zu uns. Die Hände fliegen durch die Luft, 3,4 Kinder gucken mich an, während ich gespannt auf die Zeichen die ihre Finger formen schaue. Leider kenne ich mich mit dieser Sprache gar nicht aus, weshalb mir nichts anderes übrig bleibt, als zu lächeln und zu versuchen die Intention zu verstehen. Plötzlich gehen alle Kinder mit der rechten Hand an die Wange, pressen Daumen und Zeigefinger aneinander und drücken diese zur Spitze geformte Verbindung in die Wange und drehen die Hand leicht vor und zurück. Erst bin ich mir gar nicht sicher, was sie nun sagen möchten, da klärt mich Lukas auf: „Ah, das ist dein Zeichen, wegen deiner Grübchen.“

Von nun an tippen mich viele kleine Hände an, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie alle möchten sich vorstellen. So sehe ich verschiedene Zeichen, wie den Finger unter dem rechten Auge entlangfahren, zwei mal mit der ganzen Hand von der Nase zur Stirn und zurück streichen, den Arm um den Kopf legen und dabei das Ohr berühren, mit beiden Händen die Wangen nach oben drücken, einmal die Nase platt drücken,… Kurz nachdem jeder einmal ‚zu Wort‘ gekommen ist, zeigt einer auf ein Mädchen neben ihm. Ich überlege kurz und hoffe das richtige Zeichen gewählt zu haben. Es stimmt. Schnell drängelt sich jeder Schüler vor mich und sieht mich mit einem fragenden Blick an. Leider habe ich mir nicht jedes Zeichen gemerkt, aber die Kinder sind nicht böse sondern helfen mir. So präsentiert nun jeder ganz stolz sein Alter und die Klassenstufe.

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Während wir herumalbern, fangen die Jungen an zu spielen. Natürlich wird Fußball gespielt. Da Lukas seine Kamera mit hat, wird diese schnell zur neuen Attraktion neben dem Spielfeld. Die Kinder stellen sich in Position und ich schieße Fotos. Dann wechselt der Apperat seinen Benutzer und ein kleiner frecher viel lachender Junge knipst und knipst und knipst.

Mit einem Zeichen, unter welchem ich Volleyball verstehe, zeigen mir 5, 6 junge Tansanier den Weg weg vom großen Fußballplatz mit Blick auf den Victoriasee durch Banananbäume unter denen Hühner (Zeichen: Zeigefinger zur Sichel formen und zwischen Kinn und Mund legen) picken, an einem Trackt des Schulgebäudes vorbei zur Einfahrtsstraße, wo ich vorhin mit dem Piki angekommen bin, und an welcher ein Sportplatz anschließt der durch zwei Baskettballkörbe ohne Brett gekennzeichnet ist. Das heißt wir spielen Netball. Hier wird das Spiel als Mädchensport bezeichnet. Trotzdem befinden sich nach 30 Minuten nur neben mir nur noch Jungs auf dem Spielfeld. Statt zu schreien und rufen höre ich nur quieckende Laute von meinen Mitspielern. Es ist wunderbar, wie sie sich freuen, dass wir zusammen spielen, das Lächeln zeigt wie viel Spaß sie haben und das macht mich glücklich.

Nach dem Spiel verabschiede ich mich, das Zeichen dafür kenne ich, es ist ein einfaches Winken. Eine große Gruppe von Kindern hat sich wieder am Schuleingang versammelt. Mit vielen Gesten haben diese jungen Menschen mir heute einen wunderbaren Nachmittag geschenkt. Ich werde sicher wieder kommen, dann schon mit Vorkenntnissen im Gepäck und voller Vorfreude auf diese ruhige und doch so erhitzte und elektrisierte Atmosphäre.

Bye bye, eure Esther.

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