Fast nur Fußball

Vor zwei Wochen verließen Paul und ich unsere Tumaini-Klassen, nachdem diese die nationalen Examinations absolviert hatten. In diesen Tagen hatten wir zwei lediglich die Aufgabe zu schauen das nicht abgeschrieben wird. Es gab für uns also nicht viel zu tun. Nachdem nun unser Sprachkurs und zwei Wochen Ferien vergangen sind, starteten wir in die Herbstphase des Schuljahres. Die Kommunikation mit den Kindern fiel mir so viel leichter als noch die ersten Tage. Und so ist es auch einfacher über Mathematik zu sprechen und einige Englischvokabeln einzuführen.

Am Nachmittag hängen wir viel mit den Jungs Juma und Jamali ab. Das Fußballteam in dem sie spielen hat letztens das Finale eines langdauernden Spielplans gewonnen. Ich war so glücklich als ich die Jungen zusammen freudestrahlend über den Platz rennen sah, nachdem der 11-Meterkrimi (Verschuß FCB, Halten des Elfers der Gegener, Tor FCB, Verschuß Gegner) zu Gunsten des FC Bukoba entschieden wurde. Für dieses Spiel wurden die blauen Trikots mit der Aufschrift „FC Bukoba“ gewaschen und wie ein rohes Ei in einer schicken Tasche zum Spiel getragen. Der Gang wurde aufrechter, die Schultern immer breiter, der Schuss immer härter. 

An einem Sonntag verabredet ich mich mit Juma, um mit ihm zu einem seiner Freunde zu gehen. Zusätzlich habe ich verstanden, dass es Essen geben sollte. Also holte er mich und zwei Freunde von mir zu Hause ab. Wir liefen den ganzen Weg den ich sonst immer mit dem Piki fahre, wobei mir gleich noch mal bewusst wurde wie gerne ich das Fahrzeug nehme. Nach einem Zwischnstopp bei Juma zu Hause kletterten wir über Steine auf und neben denen Häuser standen und man dementsprechend durch die „Gärten“, den Hof und die Wasch-und Kochbereiche ging. Umso höher wir kamen, desto besser wurde die Aussicht auf Bukoba und den See. Ich kam ganz schön ins Schwitzen, weshalb der fitte, trainierte, sich auf das Essen freuende breit lächelnde Juma mich immer wieder fragte: Umechoka? (Bist du müde?) Natürlich umging ich die Frage, antwortete ‚kidogo‘ (ein bisschen) und schaffte es wohlerhalten zum Haus der Großmutter von Aleni.

Aleni selbst war noch gar nicht zu Hause. Ehrlichgesagt wusste ich am Anfang gar nicht wer die ganzen Personen die wir berüßten waren. Man führte uns in den Garten, der aus Bananenbäumen bestand. Dort waren Decken aus Naturmaterialen (Bananenbaumrinde) ausgelegt. Die Bäume gaben Schutz vor der Sonne. Das ganze Ambiente sorgte für eine ruhige lauschige Atmosphäre, fern von Lautstärke, Hektik und Stadtfeeling. Diese Stimmung wurde durch die Reichung von Kaffebohnen als Snack unterstrichen. Zu uns vieren gesellten sich Alenis Vater und seine Oma. So verbrachten wir die nächsten eineinhalb Stunden auf dieser Insel der Ruhe.

Ein Motorengeräusch zerstach diese ruhige Blase. Aus einem Auto irgendwo hinter der Bananenplantage sprangen 3 Erwachsene und einige Kinder, die sich alle zu uns gesellten. Dann wurde ein großer Topf gebracht, drei kleinere Schüsseln folgten. Zum Essen von Pilau (Reis mit Gewürzen), Fleisch, Soße und Gemüse wurden wir herzlich eingeladen. Als alle Gefäße leer waren holte der Vater die Trommel raus. Mit tollem musikalischem Backround fingen die kleinsten an zu tanzen. Später gesellte auch ich mich dazu. So bewegten wir zusammen die Hüften in dieser wunderschönen Bananenplantage. Die ganze Familie lebte dieses Sonntagsritual und auch wir kosteten unsere Einladung aus. Abschließend machten wir alle gemeinsam ein Foto. Außerdem überreichten uns die Eltern zwei Beutel voller frisch vom Baum geworfener Avocados. Mit vollem Magen, strahlendem Lachen und ausgeruhtem Körper und Kopf starteten wir in Richtung unseres Heims.

Zusammen mit den Jungs haben wir auch schon einen weiteren Strand entdeckt, den Miami Beach. Die zwei sind dort auch baden gegangen, was ich aus Angst vor Bilharziose gelassen habe. Jeder von uns vier Freiwilligen hatte am Ende dieses Tages eine neue Handynummer in den Kontakten, da sich eine Gruppe von Studierenden zu uns gesetzt hatte. Tansanier tauschen schnell mal Nummern aus. 

Leider sind die Juma und Jamali öfter mal krank, weshalb ich diese Woche drei mal mit ihnen zum Arzt gegangen bin (Rekord). Es werden dann meistens Würmer oder Malaria diagnostiziert. Da die beiden ehemalige Straßenkinder sind und nur von Spenden leben, gehen wir immer in eine spezielle Klinik, wo sie die Untersuchung kostenlos bekommen. Allerdings gehen die Jungen hier trotz Krankheit abends zum Fußballtraining, worüber ich nur den Kopf schütteln kann. Aber hier ist zu Hause rumsitzen keine Option, das Leben findet draußen statt.

Zu zwanzigst ging es am 1. Oktober um 1 Uhr los zum Match, eine Stunde von Bukoba entfernt und sehr Nahe der Grenze zu Uganda. Pünktlich um 13 Uhr drängten sich statt ausgemachten 16 Mitspielern 21 Jungs in das Dala Dala (eine Art VW-Bus). Mit Fahrer, Helfer und Paul, Lukas, Valentin und mir ergab die Gesamtzahl dann 27. So fuhren wir gedrängt und bei guter aber aufgeregter Stimmung ca. eine Stunde durch Tansania. Uns empfing ein netter Sportlehrer der Kwaboma Secondary School, der die dazugehörige Fußballmannschaft trainierte. Schon von weitem sah man die Schüler in ihrer Schulkleidung am Spielfeldrand stehen. Im Gegensatz zu den Mädchen in langen eintönigen Klamotten und der weißen Burka fühlte ich mich in meinem Kleid ganz schön nackig. Zusätzlich kam noch hinzu, dass die Jungen und Mädchen der muslimischen Schule getrennt das Spiel verfolgen mussten. Am linken Spielfeldrand standen alle Schülerinnen, auf der rechten Seite versammelten sich die Schüler, um ihr Team anzufeuern. Für uns wurde eine Teambank aufgestellt. Nach einem Foto ging es los.

Schon nach 5 Minuten erzielte das gegnerische Team das erste Tor durch einen 11-Meter-Schuss. Mit der Zeit fanden sich die Jungs des FC Bukoba zurcht und konnten kurz vor dem Ende zu einem 1:1 ausgleichen. Dann fuhr das von uns gemietete Dala wieder los nach Bukoba. Natürlich grölten die Jungs, wie man es von Jugendlichen kennt, die ganze Zeit durch das Auto, sodass auch alle Menschen auf der Straße mitbekamen, dass hier der FC Bukoba langfährt. Die Fahrt konnte mit Hilfe von Spenden von Lukas und Valentin finanziert werden.

Sonntag. Heute wird in Migera, wo Juma und Jamali wohnen, gekocht. Das Essen war blutig, verraucht und lecker. Mit dem Gewinn (Preisgeld) des Finales vor einer Woche waren Juma und ich früh am Morgen auf dem Markt einkaufen: Reis, Gewürze (, die Khamis den Jungs gespendet hat), Gemüse, mit dabei war auch ein Huhn eines Mitspielers. In Migera warteten schon weitere Jungs, sodass mit vielen Händen 15 Kilogramm Reis zu Pilau (Reis + Gewürze) verkocht wurden. Nebenbei tötete Juma das Huhn, was danach gerupft, ausgenommen, gewaschen und gekocht wurde. Statt einer Küche bereiteten wir das Essen in einer kleinen Holzhütte vor, weshalb es sich darin schnell mit Rauch zuzog und ich beim Betreten Tränen in den Augen hatte. Nach eineinhalb Stunden warten, helfen, Karten spielen, Fotos machen und quatschen wurden die zwei Reistöpfe ins Zimmer gebracht und gerecht aufgeteilt. Ich bekam einen Teller, im Gegensatz dazu setzten sich aber auch sechs, sieben Jungs um einen riesigen Teller herum, um alle von diesem zu speisen. Gegessen wird mit den Händen. Man quetscht den Reis in der rechten Hand zusammen und formt eine Kugel, die man sich wie einen kleinen Kloß in den Mund steckt. So blieben nur die leeren Teller und dicken Bäuche übrig.

Leider geht seitdem ich hier bin mein Laptop nicht mehr an, weshalb alle Bilder von meiner Kamera später hinzugefügt werden und bis jetzt erstmal die Handyfotos reichen müssen. 

Aya, bis bald!

Eure Esther.

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