Schulstart


Unsere 10-tägige Eingewöhnungszeit, die doch länger als gedacht war, ist nun vorbei. Paul und ich starteten am 22.8. in unser erstes Projekt. Wie mit den Lehrern abgemacht standen wir um 10 Uhr auf dem Schulhof der Tumaini Secondary School. Der ganze Schulhof ist durch die rote Erde gekennzeichnet. Ein Weg ist von der Straße, wo uns die Pikis abgesetzt haben, bis zur Mitte des Schulhofes durch Reihen kleiner Steine auf der linken und rechten Seite markiert. Das Gesamtbild wirkt sehr ordentlich und sauber. So ist es an jeder Schule hier. Von dem durch einen Baum gut erkennbaren Zentrum gelangt man zu 3 verschiedenen Gebäuden, die aus Klassenräumen in einer Größe wie aus Deutschland bekannt oder etwas größer sind. 

Ein Raum wird als Lehrerzimmer genutzt. Pünktlich zum Chai (sowas wie Frühstückspause) kommen wir an, werden sofort in den Raum glenkt und setzen uns erstmal mit Andrew und Elia zusammen. Das Zimmer ist spärlich eingerichtet, eine Tafel, sechs Tische hinter denen Lehrer gemütlich sitzen, essen, trinken oder Aufgaben kontrollieren, und ein Regal gehören zum Möbiliar. Jedoch füllt sich der Raum mit lauten Gesprächen und Erzählungen Andrews über seine Schulzeit und seinem Hobby Musik. Während Paul und ich gespannt zuhören, was bei der Aussprache und Betonung des Lehrers für mich nicht ganz leicht ist, schlürfen wir unseren stark gesüßten Tee (mir gefällt das) und essen Mandasi, ein frittiertes Teigbällchen. 

Danach geht es in den Klassenraum. Sofort stehen alle Kinder auf und grüßen fast schon singend uns Hereintretende. Wir nehemen an dem Lehrertisch Platz und schauen eine Stunde zu wie die beiden Lehrer Englisch und Gesellschaftslehre unterrichten. In dem Klassenraum lernen gleichzeitig drei Klassen (2., 3., 4.). Diese bestehen aus ehemaligen Straßenkindern, die von der Tumaini-Organisation aufgenommen wurden und teilweise in einem Internat leben. Damit man sich während des Unterrichtes nicht in die Quere kommt, hat eine Klasse leise Aufgaben zu lösen, während ein Lehrer die zweite unterrichtet und der Rest schläft oder sich leise beschäftigen muss. 

Als erstes fingen wir mit dem Matheunterricht in der 2. Klasse an. Die Schüler haben gerade mit dem Ein-Mal-Eins begonnen. Wir versuchten es zu festigen und verschiedene Schreibweisen anzuwenden. Am Anfang sind die Kinder (7-10) noch aufmerksam, soll jemand an der Tafel das Ergebnis anschreiben strecken alle schnipsend die Hände in die Höhe. Nach zehn Minuten fangen sie an durch den Raum zu rennen, ihre Stifte (im Mund) zu verstecken, um neue zu bekommen und die Köpfe auf die Bänke zu legen. Eine Bank teilen sich jeweils 3 bis 4 Schüler, was natürlich ungenügend Platz für jeden bedeutet. Auch der große Leistungsunterschied zwischen den Mitschülern bremst den Unterricht. Während Yusufu, Samuel und Anetti schon im dreistelligen Bereich schriftlich multiplizieren können, saß ich drei Tage lang 1,5 Stunden mit Helene und Eveline rechts und links neben mir auf einer Schulbank um das Eins-Plus-Eins einzuführen. Die beiden sind erst vor zwei Wochen in das Tumaini-Projekt und die Schule gekommen. Zwischen den Stunden hängen die Kinder oft einfach rum, die kleinen Köpfe liegen der Reihe nach auf den Bänken, die Augen fallen zu. Um die Zeit so nicht zu verschwenden, setzen wir uns zu ihnen, reden und spielen Bankdrücken, Mühle (Striche werden mit Kreide auf die Tische gemalt, Steine dienen als Spielfiguren),… Aber es gibt auch ein paar ganz Eifrige, die nach mehr Aufgaben fragen und üben möchten. Meine Schüler freuen sich über jedes rote Häckchen, es wird immer um ein ‚Vizuri‘  gebeten, was etwa ‚Super‘, ‚Perfekt‘ heißt. Zeitgleich die Grundrechnung auf ‚Kiswenglisch‘ zu vermitteln und Mal-Aufgaben aufzuschreiben (für jeden der 5 Interessierten) war zwar schon ein Spagat aber für die Erfolge, die raussprangen, da sie sich mit dem Thema beschäftigten, machen mich sehr glücklich. Dann verteile ich gerne Häckchen, ein anerkennendes Lächeln und ‚Vizuri‘, was wiederum die Kinder zum Strahlen bringt.

Auch die erste Sportstunde stand für uns auf dem Stundenplan. Doch statt geordnet ein Programm durchzuziehen, mussten wir schnell feststellen, dass die Kinder sportlich sehr unausgelastet sind. Das Resultat aus 10 Minuten „Sportunterricht“, der in normaler Schulkleidung absolviert wird, waren ein zerissenes Shirt, eine Wunde und sich gegenseitig kempelnde Kinder. Erst als Elia kam, beruhigte sich die Situation. Denn nun konnte ich Steh-Geh auf englisch erklären, der Lehrer übersetzte es den Jungen und Mädchen. Auch das folgende Komm-mit-Lauf-weg-Spiel funktionierte gut und die Kinder feuerten sich gegenseitig an. Ich gehe davon aus, dass die Startprobleme vor allem auch an unserem aktuell noch geringen Sprachkenntnissen liegen. Gleich am Tag später haben wir die Kinder im Center besucht. Gerade stand ein Fußballspiel an. Die großen Jungs von Tumaini gegen eine andere Schule. Paul wurde sofort dazu verpflichtet mitzuspielen. Ich setzte mich mit den jüngeren an den Spielfeldrand. Während das Spiel seinen Lauf nahm, spielten wir mit Murmeln, einige kempelten wieder, andere guckten gebannt dem Spielverlauf zu. Mein Handy diente schnell als Kamera, jeder wollte mal vor, mal hinter der Linse stehen.

Mit 50 neuen Fotos und einem 3:2 Sieg verließen wir die Kinder für diese Woche und fuhren mit dem Sonnenuntergang im Rücken unserem Wochenende entgegen.

 Macht’s gut! 

Eure Esther.

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2 Gedanken zu “Schulstart

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